Was ist Psychotherapie?
In der Psychotherapie geht es darum, die eigene Situation besser zu verstehen und nach dem Grundsatz der „Hilfe zur Selbsthilfe“ individuelle, konkrete und praxisnahe Bewältigungsstrategien zu entwickeln, die sich im Alltag bewähren. Gerade bei Kindern und Jugendlichen stehen dabei ihre aktuelle Lebenssituation, ihre Entwicklung sowie ihre Beziehungen zu wichtigen Bezugspersonen im Mittelpunkt.
Die Grundlage meiner psychotherapeutischen Arbeit bildet ein strukturierter, lösungs- und alltagsorientierter Ansatz. Neben der Verhaltenstherapie fließen jedoch auch Elemente aus weiteren therapeutischen Sichtweisen mit ein. Dies ermöglicht mir, für jede Patientin und jeden Patienten ein individuelles Therapiekonzept zu erstellen, das sowohl aktuelle Symptome als auch zugrunde liegende emotionale Bedürfnisse berücksichtigt.
Ein Schwerpunkt der therapeutischen Arbeit liegt darauf, problematische Verhaltensweisen zu erkennen und schrittweise zu verändern. Dabei wird davon ausgegangen, dass viele Verhaltensmuster im Laufe der Entwicklung erlernt wurden und durch neue Erfahrungen, Übungen und Einsichten wieder verändert werden können. Kinder und Jugendliche lernen, hilfreiche Verhaltensweisen aufzubauen und diese altersgerecht, anschaulich und alltagsnah umzusetzen.
Neben dem Verhalten werden auch Gedanken, Bewertungen und innere Überzeugungen in den therapeutischen Prozess einbezogen. Belastende Denkmuster können zu emotionalem Leid und problematischem Verhalten beitragen. In der Therapie lernen Kinder und Jugendliche, solche Gedanken zu erkennen, zu hinterfragen und schrittweise durch realistischere und unterstützende Sichtweisen zu ersetzen.
Ergänzend dazu wird berücksichtigt, dass Symptome häufig Ausdruck innerer Konflikte, unverarbeiteter Erfahrungen oder belastender Beziehungserfahrungen sind. Besonders bei Kindern und Jugendlichen zeigen sich seelische Belastungen oft indirekt, zum Beispiel durch Rückzug, Ängste, aggressives Verhalten oder körperliche Beschwerden. In einem geschützten therapeutischen Rahmen erhalten sie die Möglichkeit, Gefühle, innere Spannungen und Beziehungserfahrungen – häufig auch über Spiel, kreative Ausdrucksformen oder Gespräche – zu erkunden und besser zu verstehen. Ziel ist es, innere Zusammenhänge bewusst zu machen, emotionale Entwicklung zu fördern und langfristige Veränderungsprozesse anzustoßen.
Eltern und andere wichtige Bezugspersonen werden – je nach Alter und Anliegen – begleitend in die Therapie einbezogen, um das Kind oder den Jugendlichen bestmöglich zu unterstützen.

Hier finden Sie weitere Informationen zur Psychotherapie:
Und hier erklärt Co-Therapeut Emil Psychotherapie für Kinder:
Die Pinguingeschichte
ODER: WIE MAN SICH IN SEINEM ELEMENT FÜHLT
Folgende Geschichte stammt von Dr. Eckhart von Hirschhausen:
"Diese Geschichte ist mir tatsächlich passiert. Ich war als Moderator auf einem Kreuzfahrtschiff engagiert. Da denkt jeder: „Mensch toll! Luxus!” Das dachte ich auch. Bis ich auf dem Schiff war. Was das Publikum angeht, war ich auf dem falschen Dampfer. Die Gäste an Bord hatten sicher einen Sinn für Humor, ich hab ihn nur in den zwei Wochen nicht gefunden. Und noch schlimmer: Seekrankheit hat keinen Respekt vor der Approbation. Kurzum: ich war auf der Kreuzfahrt kreuzunglücklich.
Endlich! Nach drei Tagen auf See, fester Boden. „Das ist wahrer Luxus!” Ich ging in einen norwegischen Zoo. Und dort sah ich einen Pinguin auf seinem Felsen stehen. Ich hatte Mitleid: „Musst du auch Smoking tragen? Wo ist eigentlich deine Taille? Und vor allem: hat Gott bei dir die Knie vergessen?” Mein Urteil stand fest: Fehlkonstruktion.
Dann sah ich noch einmal durch eine Glasscheibe in das Schwimmbecken der Pinguine. Und da sprang „mein“ Pinguin ins Wasser, schwamm dicht vor mein Gesicht. Wer je Pinguine unter Wasser gesehen hat, dem fällt nix mehr ein. Er war in seinem Element! Ein Pinguin ist zehnmal windschnittiger als ein Porsche! Mit einem Liter Sprit käme der umgerechnet über 2500 km weit! Sie sind hervorragende Schwimmer, Jäger, Wasser-Tänzer! Und ich dachte: „Fehlkonstruktion!”
Diese Begegnung hat mich zwei Dinge gelehrt. Erstens: wie schnell ich oft urteile, und wie ich damit komplett daneben liegen kann. Und zweitens: wie wichtig das Umfeld ist, ob das, was man gut kann, überhaupt zum Tragen kommt.
Wir alle haben unsere Stärken, haben unsere Schwächen. Viele strengen sich ewig an, Macken auszubügeln. Verbessert man seine Schwächen, wird man maximal mittelmäßig. Stärkt man seine Stärken, wird man einzigartig. Und wer nicht so ist, wie die anderen sei getrost: Andere gibt es schon genug! Immer wieder werde ich gefragt, warum ich das Krankenhaus gegen die Bühne getauscht habe.
Meine Stärke und meine Macke ist die Kreativität. Das heißt, nicht alles nach Plan zu machen, zu improvisieren, Dinge immer wieder unerwartet neu zusammen zu fügen. Das ist im Krankenhaus ungünstig. Und ich liebe es, frei zu formulieren, zu dichten, mit Sprache zu spielen. Das ist bei Arztbriefen und Rezepten auch ungünstig. Auf der Bühne nutze ich viel mehr von dem was ich bin, weiß, kann und zu geben habe. Ich habe mehr Spaß, und andere haben mit mir mehr Spaß. Live bin ich in meinem Element, in Flow!
Menschen ändern sich nur selten komplett und grundsätzlich. Wenn du als Pinguin geboren wurdest, machen auch sieben Jahre Psychotherapie aus dir keine Giraffe. Also nicht lange hadern: Bleib als Pinguin nicht in der Steppe. Mach kleine Schritte und finde dein Wasser. Und dann: Spring! Und Schwimm! Und du wirst wissen, wie es ist, in Deinem Element zu sein."
Genau wie Eckart von Hirschausen bin ich der Überzeugung, dass manche Kinder oder Jugendliche erst noch ihr Element finden müssen. In meiner therapeutischen Arbeit liegt deshalb der Fokus in der Arbeit mit den Stärken und Ressourcen der Kinder und Jugendlichen.

